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Bachfesttage Köthen – PWA

(70) Abschlusskonzert

04Sep.17:0018:1517:00 - 18:15(GMT+02:00)(70) Abschlusskonzert

Veranstaltungsdetails

Köthener BachCollektiv und Gäste

Miriam Feuersinger (Sopran)
Midori Seiler, Mayumi Hirasaki, Georg Kallweit (Violinen)
Hannes Rux (Trompete)
u.a.

Die letzten Töne der Bachfesttage gehören traditionell dem BachCollektiv. Das Abschlusskonzert ist immer der emotionale Höhepunkt der Festtage, weil der Abschied schon mitschwingt. In diesem Jahr zum ersten Mal in der Jakobskirche, damit wirklich alle Platz haben.

PROGRAMM

Johann Sebastian Bach (1685 – 1750)
Orchestersuite C-Dur (BWV 1066)
Ouverture – Courante – Gavotte I/II – Forlane – Menuett I/II – Bourrée I/II – Passepied I/II

Konzert für 3 Violinen, Streicher und B.c. D-Dur (BWV 1064R)
Allegro – Adagio – Allegro

»Jauchzet Gott in allen Landen«
Kantate zum 15. Sonntag nach Trinitatis und für jede Zeit (BWV 51)
Aria: »Jauchzet Gott in allen Landen«
Recitativo: »Wir beten zu dem Tempel an«
Aria: »Höchster, mache deine Güte«
Choral: »Sei Lob und Preis mit Ehren«
[Finale]: »Alleluja«

Neben seinen vielen Leipziger Amtsverpflichtungen in Kirche und Schule fand Johann Sebastian Bach auch noch die Möglichkeit, sich der reinen Instrumentalmusik zu widmen. Zu diesem Zweck übernahm er 1729 die Leitung des örtlichen »Collegium musicum«, eines vorwiegend studentisch besetzten Orchesters, das in Leipzig regelmäßig öffentliche Konzerte veranstaltete. In engem Zusammenhang mit diesem Collegium musicum stehen Bachs vier Orchestersuiten, die in den 1730er Jahren in den Konzerten des Ensembles zur Aufführung kamen. Gleichwohl basieren einige der Stücke auf früheren Fassungen, die Bach in Köthen bzw. Weimar komponiert haben könnte.

Die Orchestersuite C-Dur (BWV 1066) macht zunächst mit einer groß dimensionierten Ouverture auf sich aufmerksam, in der zwei langsame Teile einen schnellen, fugierten Mittelteil umrahmen. In der Auswahl der darauffolgenden Sätze verhält sich Bach ziemlich unkonventionell. Von den sonst obligatorischen »Stammsätzen« einer französischen Suite (Allemande, Courante, Sarabande, Gigue) erscheint lediglich die Courante. Dafür ergänzt Bach eine schnelle Forlane sowie je ein originelles Gavotte- und Menuett- bzw. ein Bourrée- und Passepied-Paar.

Als Leipziger Thomaskantor fand Johann Sebastian Bach ab 1729 die Zeit, auch noch das örtliche Collegium musicum zu leiten. Mit diesem vorwiegend aus Studenten bestehenden Orchester veranstaltete er im Regelfall wöchentlich ein öffentliches Konzert. Zu dem dort dargebotenen Repertoire zählte auch das Konzert für drei Cembali (BWV 1064). Wie viele andere Leipziger Orchesterwerke Bachs geht das Stück aber auf ein bereits in Köthen komponiertes Konzert zurück, von dem keine Handschrift überliefert ist. Nach Ansicht der Forschung handelte es sich bei dieser Urfassung um ein Konzert für drei Violinen, deren Solostimmen später auf das Cembalo übertragen wurden.

Die Solo-Kantate »Jauchzet Gott in allen Landen« (BWV 51) nimmt im Vokalschaffen Johann Sebastian Bachs hinsichtlich ihrer Besetzung und ihrer musikalischen Stilistik eine Ausnahmestellung ein. In keiner anderen Komposition des Leipziger Thomaskantors findet sich die unmittelbare Verknüpfung eines Solo-Soprans mit einem obligaten Trompetenpart. Diese beiden Solo-Stimmen treffen in der Eingangsarie und dem abschließenden »Alleluja« zusammen und sind außergewöhnlich virtuos gesetzt. Hinzu kommt, dass Bach die um 1730 verfasste Komposition ungewöhnlicherweise mit der Gattungsbezeichnung »Cantata« und der selten zu findenden Bestimmung »in ogni tempo« (also »für jede beliebige Zeit« im Kirchenjahr) versehen hat. Erst zu einer mutmaßlichen Wiederaufführung fügte er die genauere Angabe »für den 15. Sonntag nach Trinitatis« hinzu – mit dem Evangelium dieses Sonntags jedoch steht der durchweg lobpreisende Kantatentext in keiner engeren Beziehung.

Diese Befunde lassen verschiedene Theorien über den Entstehungsgrund dieses Spitzenwerkes zu. Der schwierige Vokalpart und der ursprüngliche Freibrief »in ogni tempo« lassen vermuten, dass Bach dieses Stück zunächst einer herausragenden Sängerin – möglicherweise seiner Ehefrau Anna Magdalena – für Gastspielreisen an mitteldeutsche Höfe widmete. Bach hätte damit seiner Frau sowie dem Solotrompeter einen blendenden Auftritt verschafft und gleichzeitig sich selbst als Komponist in den Mittelpunkt gestellt. Denkbar ist aber auch eine (Wieder-) Aufführung in Leipzig mit einem besonders begabten Knabensolisten des Thomanerchores und dem berühmten Trompeter Gottfried Reiche.

Wer auch immer die »Cantata« aus der Taufe hob, konnte ein stilistisch äußerst differenziertes Werk darbieten. So gleicht die Eingangsarie einem Konzertsatz mit zwei Solisten (Sopran und Trompete). Es folgt ein von den Streichern begleitetes Rezitativ und die zweite Arie, in der die Sopranstimme über eine ostinatoähnliche Bassmelodie verschiedene Variationen formt. Danach schließt sich der Choral »Sei Lob und Preis mit Ehren« an, den Bach kunstvoll in einen instrumentalen Triosatz (zwei Violinen und Basso continuo) einbindet, bevor die Kantate mit dem lebhaften, fugierten »Alleluja«-Finale in voller Besetzung schließt.

Weitere Informationen zu den Mitwirkenden:
https://www.bachfesttage.de/bachfesttage/bachcollektiv/
https://www.miriam-feuersinger.info/
https://www.mayumihirasaki.com/vita
http://midoriseiler.de/web/
https://georg-kallweit.de/#Vita

Johann Sebastian Bach
»Jauchzet Gott in allen Landen«

Aria
Jauchzet Gott in allen Landen!
Was der Himmel und die Welt
An Geschöpfen in sich hält,
Müssen dessen Ruhm erhöhen,
Und wir wollen unserm Gott
Gleichfalls itzt ein Opfer bringen,
Dass er uns in Kreuz und Not
Allezeit hat beigestanden.

Recitativo
Wir beten zu dem Tempel an,
Da Gottes Ehre wohnet,
Da dessen Treu,
So täglich neu,
Mit lauter Segen lohnet.
Wir preisen, was er an uns getan.
Muss gleich der schwache Mund von seinen Wundern lallen,
So kann ein schlechtes Lob ihm dennoch wohlgefallen.

Aria
Höchster, mache deine Güte
Ferner alle Morgen neu.
So soll vor die Vatertreu
Auch ein dankbares Gemüte
Durch ein frommes Leben weisen,
Dass wir deine Kinder heißen.

Chorale
Sei Lob und Preis mit Ehren
Gott Vater, Sohn, Heiligem Geist!
Der woll in uns vermehren,
Was er uns aus Gnaden verheißt,
Dass wir ihm fest vertrauen,
Gänzlich uns lassn auf ihn,
Von Herzen auf ihn bauen.
Dass unsr Herz, Mut und Sinn
Ihm festiglich anhangen;
Drauf singen wir zur Stund:
Amen, wir werdns erlangen,
Glaubn wir zu aller Stund.

[Finale]
Alleluja!

Foto: Henner Fritzsche

Zeit

4. September 2022 17:00 - 18:15(GMT+02:00)

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Kirche St. Jakob

Marktplatz, 06366 Köthen (Anhalt)barrierefrei

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