(65) Geige & Clavier
04Sep.15:0015:4515:00 - 15:45(GMT+02:00)(65) Geige & Clavier
Veranstaltungsdetails
Georg Kallweit (Violine)Christine Schornsheim (Claviere) Musik von Bach bis Mozart Georg Kallweit, Solist und Konzertmeister der Akademie für Alte Musik, und
Veranstaltungsdetails
Georg Kallweit (Violine)
Christine Schornsheim (Claviere)
Musik von Bach bis Mozart
Georg Kallweit, Solist und Konzertmeister der Akademie für Alte Musik, und Christine Schornsheim, Professorin für historische Tasteninstrumente in München, verbindet eine jahrzehntelange musikalische Freundschaft. Im Duo haben sie lange nicht mehr gespielt, es fehlte die Zeit. Die Köthener Bachfesttage bieten endlich wieder die Gelegenheit!
PROGRAMM
Johann Sebastian Bach (1685 – 1750)
Sonate G-Dur für Violine und Basso continuo (BWV 1021)
Adagio – Vivace – Largo – Presto
Präludium A-Dur aus „Das Wohltemperierte Klavier I“ (BWV 864)
Sinfonia A-Dur (BWV 798)
Präludium fis-Moll (BWV 883)
Fuge A-Dur aus „Das Wohltemperierte Klavier I“ (BWV 864)
(arrangiert für Violine und Cembalo obligato von Georg Kallweit und Christine Schornsheim)
Carl Philipp Emanuel Bach (1714 – 1788)
Sonate h-Moll für Clavier und Violine (Wq 76)
Allegro moderato – Poco andante – Allegretto siciliano
Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791)
Sonate e-Moll für Clavier und Violine (KV 304)
Allegro – Tempo di Minuetto
Die Sonate G-Dur für Violine und Basso continuo (BWV 1021) schrieb Johann Sebastian Bach vermutlich 1732 in Leipzig für einen seiner Schüler, den Grafen Heinrich Abraham von Boyneburg. Auffällig ist, dass die Bassstimme des viersätzigen Stückes noch in zwei weiteren Kammermusik-Kompositionen von Bach auftaucht. Möglicherweise hat also der Thomaskantor diese Basslinie als Unterrichtsmaterial mit verschiedenen Schülern genutzt.
Nach seiner intensiven musikalischen Ausbildung in Köthen und Leipzig und einem Jura-Studium in Frankfurt (Oder) erhielt Carl Philipp Emanuel Bach 1738 die Aufnahme in die Hofkapelle des preußischen Kronprinzen Friedrich. Zwei Jahre später – nach der Thronbesteigung seines Dienstherrn – erhielt Bach eine feste Anstellung als Kammercembalist des neuen Königs in Berlin bzw. Potsdam. Seine Hauptaufgabe bestand fortan im Begleiten der abendlichen Konzerte in den Schlössern von Potsdam und Berlin sowie im Komponieren neuer Werke. Nach einigen Jahren des höfischen Dienstes musste Bach jedoch ernüchtert feststellen, dass der musikalische Geschmack des Königs nicht mit seinem übereinstimmte. Friedrich II. schätzte Bach zwar als zuverlässigen Cembalisten, brachte seinen Kompositionen allerdings eine konsequente Ignoranz entgegen und bevorzugte stattdessen die italienischen Opern Johann Adolf Hasses und Carl Heinrich Grauns sowie natürlich die Flötenmusik seines Intimus Johann Joachim Quantz. Dies ließ Bach freilich nicht in Lethargie verfallen: Er komponierte weiterhin regelmäßig neue Werke und suchte sich außerhalb des Hofes anregende Beschäftigungen. Eine willkommene Abwechslung vom sturen Begleiten des Königs boten ihm die bürgerlich-intellektuellen Gesprächskreise, die sich im Berlin der 1740er Jahre herausbildeten. Bach war in ihren Runden ein gern gesehener Gast und lernte auf diese Weise zentrale Persönlichkeiten der Aufklärung, unter anderen Gotthold Ephraim Lessing, Johann Wilhelm Ludwig Gleim und Karl Wilhelm Ramler, kennen. Diskutiert wurde in den wöchentlichen Treffen der Zirkel auch über Stil, Ausdruck, Gattungen und Funktionen der Musik. Die Sonate h-Moll für Violine und Cembalo (Wq 76) gehört zu einem vierteiligen Zyklus, den Bach in seiner späten Berliner Zeit 1763 vollendete. Die Werke sind von großer Empfindsamkeit und Ausdruckskraft geprägt.
Im Herbst 1777 trat Wolfgang Amadeus Mozart von Salzburg aus eine lange Reise an, die ihn vor allem in die Musikzentren Mannheim und Paris führen und dort die Möglichkeiten einer zukünftigen Anstellung sondieren sollte. Er wurde von seiner Mutter begleitet, reiste also erstmals ohne den dominierenden Vater, der vom Salzburger Erzbischof nicht freigestellt worden war. Während dieser »Bewerbungsreise« erlebte Mozart zahlreiche Höhen und Tiefen: Er wohnte großartigen musikalischen Aufführungen bei, begegnete bedeutenden Komponisten und Interpreten und trat selbst in Konzerten auf, etwa bei den berühmten »Concerts spirituels« in Paris. In Augsburg schäkerte er mit dem »Bäsle« und verliebte sich in Mannheim in die Sängerin Aloysia Weber. Ein schwerer Schicksalsschlag war dagegen der Tod der Mutter in Paris. Am Ende der Reise befand sich Mozart auf dem bisherigen Tiefpunkt seines Lebens: Er hatte keine Aussicht auf eine Anstellung erhalten und musste ein finanzielles Defizit beklagen. Mitte Januar 1779 sah er sich gezwungen, die Rückkehr in die von ihm so bezeichnete »sclaverey in salzbourg« anzutreten.
Zu den wenigen kompositorischen Erträgen dieser Reise zählen sechs Violinsonaten, die Mozart 1778 in Paris publiziert hat. Die Sonate e-Moll (KV 304) besitzt in diesem Zusammenhang eine außergewöhnliche Stellung: Sie ist die einzige Moll-Sonate der Sammlung, besteht aus nur zwei Sätzen und weist fast durchgehend einen ernsten, melancholischen Charakter auf. Die beiden Instrumente sind gleichberechtigt am musikalischen Geschehen beteiligt, was zu einem dichten thematischen Gewebe führt. Der außergewöhnlich ernste Grundgestus der Sonate wurde vielfach als unmittelbare musikalische Reaktion Mozarts auf den Tod seiner Mutter gedeutet.
Weitere Informationen zu den Mitwirkenden:
https://georg-kallweit.de/#Vita
https://www.christine-schornsheim.de/
Foto: Henner Fritzsche

