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Bachfesttage Köthen – PWA

(47) BachCollektiv: Hofkapellenmusik

03Sep.15:0015:4515:00 - 15:45(GMT+02:00)(47) BachCollektiv: Hofkapellenmusik

Veranstaltungsdetails

Midori Seiler (Solovioline)
Johanna Bartz (Traversflöte)
Miriam Feuersinger (Sopran)

Joseph Spiess: Köthener Violinkonzert e-moll
Johann Sebastian Bach: Kantate „Non sa che sia dolore“ (BWV 209)

Dem Leipziger Musikwissenschaftler und Intendanten des Bachfestes Leipzig Michael Maul ist es zu verdanken, dass das Köthener BachCollektiv einen sensationellen Fund ins musikalische Leben zurückrufen können: Ein atemberaubendes Violinkonzert des Köthener Konzertmeisters Spieß, der wahrscheinlich der Solist der Uraufführungen der Bachschen Violinkonzerte war. Die Kantate, ein spätes Gelegenheitswerk, beginnt mit einem kleinen Flötenkonzert und schwelgt zwischen Abschiedsschmerz und Wiedersehensfreude.

PROGRAMM

Joseph Spieß ( – 1730)
Konzert für Violine, Streicher und B.c. e-Moll

Johann Sebastian Bach (1685 – 1750)
„Non sa che sia dolore“
Kantate für Sopran, Traversflöte, Streicher und Basso continuo (BWV 209)

1. Sinfonia
2. Rezitativ: »Non sa che sia dolore«
3. Arie: »Parti pur e con dolore«
4. Rezitativ: »Tuo saver al tempo«
5. Arie: »Ricetti gramezza e pavento«

Als der Preußische König Friedrich Wilhelm I. – der »Soldatenkönig« – 1713 den Thron bestieg, löste er im Zuge allgemeiner Sparmaßnahmen und vermutlich auch aus persönlichem Desinteresse die Hofkapelle auf. Nicht weit von Berlin entfernt, hörte der musikbegeisterte Prinz Leopold von Anhalt-Köthen von der Orchesterschließung und bewirkte, dass seine Mutter, die Fürstin Gisela Agnes, insgesamt neun Berliner Musiker nach Köthen engagierte. Dazu zählte als Konzertmeister auch der Geiger Joseph Spieß.

Joseph Spieß blieb bis zu seinem Tod 1730 Mitglied der Köthener Hofkapelle und war auch für Johann Sebastian Bach ein wichtiger musikalischer Partner. Mit großer Sicherheit hat Spieß viele ambitionierte Violinwerke Bachs aufgeführt, so etwa die Violinkonzerte und die Sonaten für Violine und Cembalo. Möglicherweise war er sogar einer der ersten, der die höchst anspruchsvollen Werke Bachs für Violine solo gespielt hat. Auch persönlich scheint Spieß mit der Familie Bach gut befreundet gewesen zu sein, so fungierte Johann Sebastian Bach 1728 – also fünf Jahre nach seinem Weggang aus Köthen – als Taufpate bei Spießens Sohn Leopold. Das Violinkonzert e-Moll von Joseph Spieß ist ganz nach dem italienischen Vorbild Antonio Vivaldis komponiert und zeigt mit virtuosem Figurenwerk das hohe Können dieses Köthener Primgeigers.

Ein besonders schönes Beispiel für den italienischen Einfluss in Bachs Kompositionen ist die Kantate »Non sa che sia dolore« (BWV 209). Allerdings stellt sich die Entstehungsgeschichte dieses Werkes keineswegs eindeutig dar. Der vertonte Text stiftet dabei mit seinen verklausulierten und obendrein in schlechtem Italienisch verfassten Formulierungen eher Verwirrung, als dass er zur Aufklärung beitragen könnte: Besungen wird der schmerzliche Abschied eines jungen Gelehrten, der in sein Vaterland zurückreist, um diesem zu dienen. Als einziger lokaler Hinweis erscheint im zweiten Rezitativ die Stadt Ansbach, an deren Hof der vielversprechende Gelehrte offenbar überaus geschätzt wurde. Nähere Untersuchungen der Textstruktur ergaben, dass der unbekannte Kantatendichter einige Zitate aus damals populären Opernlibretti in seinen Text einfließen ließ.

Wem allerdings diese Abschiedsmusik zugeeignet wurde, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Einige Argumente sprechen für Lorenz Albrecht Beck, einem gebürtigen Ansbacher, der von 1743 bis 1747 zum Studium in Leipzig weilte und zu seinem Abschied mit dieser kleinen Kantate überrascht worden sein könnte.

Die Autorschaft Johann Sebastian Bachs gilt als sicher, auch wenn die Kantate lediglich in einer Abschrift aus dem späten 18. Jahrhundert überliefert ist. Die ausladende Sinfonia für Streicher und Traversflöte mit ihren harmonischen und rhythmischen Feinheiten enthält auffallende Parallelen zu den reifen Instrumentalkonzerten Bachs. In den beiden Arien vertieft Bach mit seiner Vertonung den Inhalt des Textes: So überwiegt in der ersten Arie (»Parti pur e con dolore«) mit Seufzern der schmerzhafte Abschied, während die zweite Arie (»Ricetti gramezza e pavento«) einen lebhaft-tänzerischen Akzent setzt.

Weitere Informationen zu den Mitwirkenden:
https://www.bachfesttage.de/bachfesttage/bachcollektiv/
http://midoriseiler.de/web/
https://www.johannabartz.com/vita
https://www.miriam-feuersinger.info/

Johann Sebastian Bach
Non sa che sia dolore

1. Sinfonia

2. Rezitativ
Non sa che sia dolore
chi dall’amico suo parte e non more.
Il fanciullin’ che plora e geme
eEd allor che più ei teme,
vien la madre a consolar.
Va dunque a cenni del cielo,
adempi or di Minerva il zelo.

Wer vom Freunde scheidet und nicht stirbt,
weiß nicht, was Schmerz ist.
Wenn das Kind weint und leidet,
und wenn seine Furcht am größten ist,
kommt die Mutter, es zu trösten.
Gehe also auf Geheiß des Himmels,
tue nun, was Minerva verlangt.

3. Arie
Parti pur e con dolore
lasci a noi dolente il core.
La patria goderai,
a dover la servirai;
varchi or di sponda in sponda,
propizi vedi il vento e l’onda.

Scheide denn, und lass uns
in Schmerz und mit wehem Herzen zurück.
Freue dich des Vaterlandes,
diene ihm gebührlich.
Du fährst nun von Gestade zu Gestade,
günstig sind dir der Wind und die Wellen.

4. Rezitativ
Tuo saver al tempo e l’età constrasta,
virtù e valor solo a vincer basta.
Ma chi gran ti farà più che non fusti
Ansbaca, piena di tanti Augusti.

Deine Gelehrsamkeit ist der Zeit und deinem Alter voraus.
Tugend und Wert allein gereichen dir schon zum Sieg.
Doch wer wird dich noch größer machen,
als du bereits warst?
Ansbach ist es, voll der erhabenen Herren.

5. Arie
Ricetti gramezza e pavento,
qual nocchier, placato il vento,
più non teme o si scolora,
ma contento in su la prora
va cantando in faccia al mar.

Weise von dir Kummer und Furcht,
wie der Steuermann, wenn der Wind sich gelegt hat,
sich nicht länger fürchtet und nicht erbleicht,
sondern zufrieden am Bug steht
und singend dem Meer begegnet.

Zeit

3. September 2022 15:00 - 15:45(GMT+02:00)

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Schloßplatz 4, 06366 Köthen (Anhalt)nicht barrierefrei

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