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Bachfesttage Köthen – PWA

(4) Nachtkonzert: Sylvia Ackermann

28Aug.22:0022:3022:00 - 22:30(GMT+02:00)(4) Nachtkonzert: Sylvia AckermannEintritt fast frei! | Sylvia Ackermann (Historische Tasteninstrumente)

Veranstaltungsdetails

„Das Wohltemperierte Klavier sei dein täglich Brot. Dann wirst du gewiss ein tüchtiger Musiker.“ – Mit diesen Worten umriss Robert Schumann 1848 in seinen „Musikalischen Haus- und Lebensregeln“ die grundlegende Bedeutung der Präludien und Fugen des „Wohltemperierten Klaviers“ von Johann Sebastian Bach. Seit ihrer Entstehungszeit haben diese Werke eine nahezu ununterbrochene Rezeption erfahren und Musikern als Übungs- und Konzertstücke gedient. Die Konzeption des Werkes ist ebenso monumental wie übersichtlich: In zwei Zyklen zu jeweils 24 Präludien und Fugen werden alle Dur- und Moll-Tonarten des Quintenzirkels mit einem Präludium und einer Fuge bedacht. Den ersten Teil komponierte Bach um 1720/22 während seiner Zeit als Hofkapellmeister in Köthen, unterzog ihn später jedoch mehreren Revisionen. Der zweite Teil entstand rund zwei Jahrzehnte später in Leipzig, wo Bach als Thomaskantor tätig war. In beiden Sammlungen stellt Bach ein faszinierendes Kaleidoskop von Stilen und Formen vor. 

Das Präludium f-Moll (BWV 881) aus dem 2. Teil des Wohltemperierten Klaviers ist durch zahlreiche Seufzermotive von Melancholie geprägt, das Präludium g-Moll (BWV 885) nach Bach in Art einer Canzona gestaltet. 

Insgesamt 164 Choräle aus dem damaligen Weimarer Gesangbuch wählte Johann Sebastian Bach aus, um dazu Orgelvorspiele zu komponieren und die Werke im sogenannten „Orgelbüchlein“ zusammenzufassen. Während seiner Zeit als Organist und Konzertmeister am Hof zu Weimar zwischen 1708 und 1717 vollendete er allerdings nur 46 Choralvorspiele und führte das Projekt auch in einer späteren Lebensphase nicht mehr zum Abschluss. Die überlieferten Choräle sind jeweils kurz gehalten und bereiten mit ihrem musikalischen Charakter den Textinhalt vor.

Als Organist in Dresden und Halle war Wilhelm Friedemann Bach gleichfalls eng mit dem Spiel von Tasteninstrumenten vertraut. In den späten 1760er Jahren komponierte er einen Zyklus von zwölf Polonaisen für das Cembalo. Es handelt sich dabei keineswegs um unterschiedliche Ausführungen dieses traditionellen Tanzes, sondern um eine Reihe von Charakterstücken, denen überdies ein fester Tonartenplan zugrunde liegt. Friedemann verwendete die auf der Klaviatur aufsteigenden Tonarten C, D, Es, E, F und G und schrieb dazu jeweils eine Polonaise in Dur und in Moll. Einheitlich ist den Stücken lediglich der 3/4-Takt, ansonsten herrscht ein großer Abwechslungsreichtum hinsichtlich Tempo und Ausdruck.

Als Hamburger Musikdirektor widmete sich Carl Philipp Emanuel Bach auch intensiv der Klaviermusik und veröffentlichte zwischen 1779 und 1787 einen großangelegten Zyklus mit neuen Kompositionen. Laut Titelangabe richteten sich die sechs Bände mit insgesamt 37 Einzelstücken an »Kenner und Liebhaber«. Hinter dieser sehr weit gefassten Formulierung verbergen sich in erster Linie merkantile Motivationen, wollte Bach die Komposition doch möglichst einem breiten Publikum zugänglich machen. Diese Strategie ging auf und brachte den Sammlungen einen ungewöhnlich großen Erfolg. In den Bänden sind etwa zu gleichen Teilen die Gattungen Sonate, Rondo und Fantasie anzutreffen. Die Fantasie C-Dur (Wq 59 Nr. 6) ist von Carl Philipp Emanuel Bach weitgehend ohne Taktstriche notiert worden, was eine größtmögliche Freiheit der Interpretation zulässt. 

Für Sylvia Ackermann sind Auftritte in Köthen quasi ein Heimspiel. Seit 2015 ist sie mit der Bachstadt durch Prinzenhaus und der Sammlung historischer Klaviere in der Neuen Musicalien-Kammer im Schloss verbunden.

Sie fühlt sich auf verschiedenen historischen Tasteninstrumenten zuhause und konzertiert auf Hammerflügel, Orgel und Virginal. Ihre Leidenschaft gilt den historischen Tasteninstrumenten und der historischen Aufführungspraxis. An den Original-Instrumenten arbeitet Ackermann kontinuierlich an der Entwicklung eines lebendigen und differenzierten Anschlags, der für das Spiel auf den vielfältigen und so unterschiedlichen historischen Tasteninstrumenten absolut erforderlich ist. 

Ihre Ausbildung erhielt sie an den Musikhochschulen Mainz und München im Hauptfach Klavier und schloss ihr Studium mit der künstlerischen Reifeprüfung ab. Es folgten viele Meisterkurse und Privatunterricht bei bedeutenden Pädagogen wie Menahem Pressler, Simon Gourari, Monika Leonhard, Jürgen Uhde, Jakob Lateiner, Maria Jäger-Jung und vielen mehr.

Neben ihrer Arbeit als Konzertpianistin und Pädagogin interessiert sich Ackermann schon immer für fächerübergreifende Projekt – sie initiierte in München das „Internationale Theaterforum“, arbeitet zusammen mit Tänzern und Videokünstlern und gründete 2009 zusammen mit Georg Ott den „Claviersalon“ in Miltenberg/Main. Mit außergewöhnlichen Konzertprogrammen und Ideen abseits des Mainstreams, wird dem Publikum der faszinierende und einmalige Klang der Original-Instrumente nähergebracht. Der Claviersalon beherbergt mittlerweile eine außerordentliche Sammlung historischer Tasteninstrumente des 18. und 19. Jahrhunderts, ein Teil der Instrumente ist seit 2020 im Köthener Schloss in einer Dauer-Ausstellung untergebracht.

Ackermann spielt solistisch und in verschiedensten Kammermusik-Besetzungen mit Sängern, Geigern, verschiedenen Ensembles u.a. mit Harfe, Traversflöte, Waldhorn. Ihr Haupt-Repertoire erstreckt sich dabei von der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts bis ca.1850.

Mitwirkende:

  • Sylvia Ackermann, Tangentenflügel von Christoph Friedrich Schmahl 

Programm:

  • Johann Sebastian Bach (1685-1750):

    • Präludium f-moll BWV 881, aus dem Orgelbüchlein 
    • Ich ruf zu Dir, Herr Jesu Christ BWV  639 (arr. August Stradal
    • Choral aus der Neumeister-Sammlung „O Lamm Gottes unschuldig“ BWV 1095
    • Präludium G-Dur BWV 885, aus dem Orgelbüchlein
    • Der Tag, der ist so freudenreich BWV 605
    • Wenn wir in höchsten Nöthen seien BWV 641 (arr. August Stradal) 

  • Wilhelm Friedemann Bach (1710-1784):

    • Fantasie d-moll Falck 18
    • Polonaise d-moll 
    • Polonaise c-moll

  • Carl Philip Emanuel Bach (1714-1788):

    • Fantasie C-Dur Wq 59/6

  • Sylvia Ackermann, Tangentenflügel von Christoph Friedrich Schmahl – Regensburg 1790

Videotipp: Sylvia Ackermann spielt Johann Sebastian Bach an der Elbe in Aken

Dauer: 30 Minuten | Karten: 5 Euro, kostenfrei für Ermäßigungsberechtigte und Inhaber eines Konzerttickets für diesen Tag. Tickets sind nicht im Vorverkauf, sondern nur an der Abendkasse erhältlich | Foto: Henner Fritzsche, Köthen

Hier können Sie eine Hörprobe des Konzerts anhören.

Zeit

28. August 2024 22:00 - 22:30(GMT+02:00)

Kirche St. Agnus

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