(3) Eröffnung: »III« – Drei Tanzsonaten
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»III« – Ein Trio zwischen Tanz und Musik Drei außergewöhnliche Künstlerpersönlichkeiten präsentieren mit »III« eine sehr persönliche Sicht auf Bachs gleichermaßen intime wie
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»III« – Ein Trio zwischen Tanz und Musik
Drei außergewöhnliche Künstlerpersönlichkeiten präsentieren mit »III« eine sehr persönliche Sicht auf Bachs gleichermaßen intime wie leidenschaftliche Sonaten für Violine solo: Die Geigerin Midori Seiler und die Tänzer Juan Kruz Díaz de Garaio Esnaola und Martí Corbera treten in einen Trialog, in dem Musik und Physis in immer neuen Konstellationen verschmelzen und weite Assoziationsräume öffnen.
Die Idee zu diesem Projekt ist älter als ein Jahrzehnt. Midori Seiler – damals als Solistin der Akademie für Alte Musik Berlin – entwickelte 2007 mit Juan Kruz das choreografierte Konzert „4 Elemente – 4 Jahreszeiten“. Der Abend wurde nach der Premiere in der Kölner Philharmonie 2007 etliche Male im Berliner Radialsystem und auf über 50 Gastspielen in ganz Europa gezeigt. Das Radialsystem produzierte gemeinsam mit ARTE und Harmonia Mundi France das Stück für das Fernsehen und eine DVD-Veröffentlichung. Midori Seiler, noch am Anfang ihrer internationalen Karriere, bestach damals sowohl mit ihrer herausragenden musikalischen Interpretation wie auch ihrer Bewegungssprache. Inzwischen zählt sie international zu den bekanntesten und erfolgreichsten Spezialistinnen für Alte Musik, ihre Einspielungen von Bachs Solomusik gelten als Referenzen. Neben vielen Aufnahmen mit renommierten Barockorchestern erschien im letzten Frühjahr das Album „Bach’s Virtuosos“ mit dem von ihr mitgegründeten Köthener BachCollektiv, dem Festivalensemble der Köthener Bachfesttage (Sachsen-Anhalt).
Juan Kruz Díaz de Garaio Esnaola war lange Zeit in vielen „klassischen“ Stücken der Choreografin Sasha Waltz als Tänzer zu sehen und studierte Choreografien der Compagnie Sasha Waltz & Guestes mit Ensembles auf der ganzen Welt ein. Er legte darüber hinaus in internationalem Rahmen zahlreiche eigene, teils preisgekrönte Choreografien vor, fast immer mit einem starken musikalischen Bezug – vor seiner tänzerischen Laufbahn wurde er als Sänger ausgebildet. Der junge spanische Tänzer Martí Corbera schließlich hat seine Wurzeln im Flamenco und im zeitgenössischen Tanz.
»III« nimmt die Charaktere der Performer*innen in den Fokus, um eine neue Narration zu schaffen, die ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten folgt und über die Summe ihrer einzelnen Teile hinausführt. Die drei Sonaten bleiben als unabhängige Stücke in ihrer Einheit unangetastet, werden in einer Art musikalisch-tänzerischem Triptychon verbunden und entfalten so eine große imaginative Kraft. Jede*r der drei Performer*innen untersucht je eine Sonate aus der eigenen Sicht und lädt das Publikum dazu ein, unterschiedliche Erlebnisperspektiven einzunehmen. Das Setting bleibt dabei minimalistisch: Zwei hölzerne Bänke, wenige Requisiten und zwei Scheinwerfer auf einem rollbaren Stativ bilden die äußeren Parameter. Jede Aktion in »III« ist von innen heraus gedacht und lädt dazu ein, die Welt hinter der Musik neu oder zum ersten Mal zu entdecken. So entsteht ein zutiefst bewegender Abend, der Bach physisch wie psychisch neu erfahrbar macht.
Johann Sebastian Bach: Drei Sonaten für Violine solo (BWV 1001, 1003, 1005):
Ende Dezember 1717 trat Johann Sebastian Bach sein Amt als Kapellmeister des Fürsten von Anhalt-Köthen an. Hinsichtlich des künftigen Repertoires musste er sich hier gründlich umstellen: Hatte er zuvor in Weimar vorwiegend Orgelmusik und Kirchenkantaten komponiert, so lag der Schwerpunkt in Köthen angesichts einer hervorragenden Hofkapelle auf Instrumentalwerken. Bach schuf daraufhin während der folgenden fünf Jahre einen großen Teil seiner instrumentalen Kammer- und Ensemblemusik, darunter auch die höchst anspruchsvollen Kompositionen für die Soloinstrumente Traversflöte, Violine und Violoncello.
Die sechs Solowerke für Violine komponierte Bach um 1720; es handelt sich dabei um drei Sonaten, die nach dem Muster der italienischen Kirchensonate aufgebaut sind, sowie drei Suiten, welche er in seiner Originalhandschrift als »Partia« bezeichnete. Mit der Komposition dieser gewaltigen Sammlung für unbegleitete Violine griff Bach eine Virtuosentradition auf, die viele italienische und deutsche Geiger seit dem späten 17. Jahrhundert etabliert hatten: Als Krönung ihrer eigenen kompositorischen und interpretatorischen Fähigkeiten schrieben unter anderem Carlo Ambrogio Lonati, Francesco Geminiani, Heinrich Ignaz Franz von Biber, Johann Georg Pisendel und Johann Paul von Westhoff Werke für Violine solo. Insbesondere die 1696 in Dresden veröffentlichten sechs Solosuiten von Westhoff dürften Bach bekannt gewesen sein, da dieser komponierende Geiger seine letzten Lebensjahre am Weimarer Hof verbrachte, wo sich 1703 auch der junge Bach aufgehalten hatte.
Wie die Vorgängerkompositionen in dieser Besetzung sind auch Bachs Kompositionen für Violine solo von dem ehrgeizigen Bestreben durchzogen, auf einem Melodieinstrument mit begrenzten Möglichkeiten zum akkordischen Spiel den gewohnten harmonischen und kontrapunktischen Reichtum seiner Musiksprache zu präsentieren. Um dieses Ziel zu erreichen, werden die technisch-virtuosen Möglichkeiten des Violinspiels bis an die Grenzen ausgereizt und die Violine als mehrstimmig spielendes Instrument aufgefasst.
Eröffnet wird der Zyklus mit der viersätzigen Sonate g-Moll (BWV 1001). Der erste Satz ist ein ruhig ausschwingendes Adagio, das mit reichen Verzierungen aufwartet. Danach folgt eine dreistimmige Fuge mit einem kurzen, markanten Thema, die Bach später noch für Orgel transkribierte. Die Polyphonie setzt sich auch im dritten Satz, einem innigen Stück im wiegenden Siciliano-Rhythmus, fort, der fast durchweg dreistimmig gestaltet ist. Das abschließende Presto rückt dann die geigerische Virtuosität in den Vordergrund: In atemberaubender Geschwindigkeit werden hier pausenlos Akkordbrechungen und Läufe präsentiert.
An den Beginn der Sonate a-Moll (BWV 1003) stellt Bach ein improvisatorisch wirkendes Grave mit bizarren Figuren und akkordischen Ruhepunkten. Darauf folgt eine umfangreiche Fuge auf der Basis eines knappen und einprägsamen Themas. Bach gelingt es hier in unnachahmlicher Weise, auf der Violine eine polyphone Struktur voller motivischer Dichte zu erreichen. Der dritte Satz, ein ruhiges Andante, ist ebenfalls durchgehend mehrstimmig gestaltet, wobei die tiefste Stimme – meist auf der g-Saite gespielt – wie eine Basslinie wirkt. Den Abschluss der Sonate bildet ein lebhaftes, von schnellen Akkordbrechungen geprägtes Allegro.
Die Sonate C-Dur (BWV 1005) setzt mit einem langsamen Satz ein, der von einem punktierten Motiv geprägt ist. Herzstück des Werkes ist jedoch ohne Zweifel die darauf folgende »Fuga«, deren Thema Bach dem Beginn des Pfingstchorals »Komm heilger Geist, Herre Gott« entlehnt hat. Ein ruhiges Largo sowie ein tänzerisch bewegtes Allegro runden die Sonate ab.
Mitwirkende:
- Midori Seiler, Barockvioline
- Juan Kruz Díaz de Garaio Esnaola, Choreografie und Tanz
- Martí Corbera, Tanz
Programm:
Johann Sebastian Bach: Drei Sonaten für Violine solo
- Sonate I g-moll (BWV 1001) Adagio, Fuga (Allegro), Siciliana, Presto
- Sonate II a-moll (BWV 1003) Grave, Fuga, Andante, Allegro
- Sonate III C-Dur (BWV 1005) Adagio, Fuga, Largo, Allegro assai
„Selten war der Begriff Gesamtkunstwerk so angebracht wie an diesem Abend“ schreibt das Hamburger Abendblatt. Einen Einblick in „III“ erhalten Sie im Video.
Dauer: 75 Minuten | Karten: 24 Euro, ermäßigt 10 Euro | Foto: Folkert Uhde Konzertdesign
Eine Eigenproduktion der Köthener Bachfesttage.
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Veranstalter
Johann-Sebastian-Bach-Saal im Veranstaltungszentrum im Schloss Köthen
Informationen
Ermäßigungsberechtigt sind Schüler*innen, Auszubildende und Studierende, Erwerbslose und Schwerbehinderte. Kinder bis 6 Jahre haben freien Eintritt. Schwerbehinderte mit B im Ausweis erhalten eine ermäßigte Karte, die Begleitperson erhält kostenfreien Zutritt mit einer Begleitkarte. Kostenfreie Begleit- und Kinderkarten können per Mail an tickets@bachfesttage.de und in der Köthen-Information gebucht werden. Bitte beachten Sie, dass die Veranstaltungsorte nur teilweise barrierefrei sind. Ermäßigte Tickets haben nur bei Vorlage eines entsprechenden Nachweises Gültigkeit.
Bis zum 21. März 2024 werden die ersten 20 Prozent des Kartenkontingents jedes Konzertes um 10 Prozent reduziert angeboten. Ein weiterer Rabatt in Höhe von 10 Prozent wird bis zum 31. Juli 2024 gewährt, wenn die Tickets in der Köthen-Information im Schloss erworben werden.

